Nur Wenigen ist heute bekannt, dass Ludwigslust einst eines der erlesensten Orchester Deutschlands beherbegte: die Schweriner Hofkapelle, die seit der Verlegung des Hofstaates (1767) im dreißig Kilometer südwärts gelegenen „Lustschloss“ residierte.
Der außerordentliche Ruf des Orchesters lag auch darin begründet, dass einige seiner Mitglieder zu den bedeutendsten europäischen Musikern gehörten, so etwa die beiden Kontrabassisten Antonio Rosetti und Johannes Matthias Sperger. Der erste leitete das Orchester, der andere war als „Cammer Musicus", und "Erster Contrabassist“ eingestellt - lapidare Worte, hinter denen ein phänomenaler Virtuose stand. Und wie Rosetti war auch Sperger ein fruchtbarer und durchaus bedeutender Komponist.
Als Sperger am 13. Mai 1812 am Nervenfieber starb, hinterließ er immerhin 44 Sinfonien, eine große Anzahl von Instrumentalkonzerten, von denen alleine 18! seinem Instrument, dem Kontrabass, gewidmet waren sowie eine stattliche Anzahl von Kammermusiken, Tänzen, Kantaten, Chören und Arien. Wie groß die Wertschätzung für den Virtuosen, Komponisten und den Menschen Sperger war – der am 19. Mai vor 200 Jahren schon seit einigen Tagen unter der Erde lag – zeigte sich in der Aufführung des Mozart-Requiems ihm zu Ehren. Seinem vier Monate vorher verstorbenen Kollegen Eligio Celestino (Konzertmeister von 1789 bis 1803) wurde diese Ehre nicht zu Teil.
Das Konzert des Ensembles Musica Instrumentalis Schwerin ist beiden europaweit geachteten und bewunderten Musikern gewidmet, ergänzt durch italienische Ricercata und Werke von Vater und Sohn Westenholz. Der eine leitete die Hofkapelle ab 1770, der andere wuchs in die Hofkapelle hinein und studierte sich bei den hiesigen Könnern als hervorragender Oboist bis in die Berliner Hofkapelle hinauf. Ein Choralvers aus der Einweihungsmusik für die Stadtkirche in Ludwigslust soll auf den sakralen Raum dieser Kammermusik hinweisen, 241 1/2 Jahre nach seiner Uraufführung am gleichen Ort.













